Historische Ortsführung durch Barleben

Mit dieser Übersicht möchten wir Sie auf die alten und neuen Sehenswürdigkeiten der Ortschaft Barleben aufmerksam machen und Sie zu einem Spaziergang durch den historischen Ortskern einladen.

Die Straßenführung im Ortskern entspricht größtenteils der jahrhundertelangen Wegführung. Auch die Architektur und die dörfliche Raumgestaltung sind bis heute im Wesentlichen erhalten geblieben. Im Zuge der vielfältigen Sanierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre wurden die Straßen modernisiert, wobei der dörfliche Charakter bewahrt werden konnte.

Folgen Sie der heutigen Straßenführung durch Hansenstraße, Ernst-Thälmann-Straße, Friedensplatz und Alte Kirchstraße, um auf den Spuren der alten Heerstraße zu wandeln. Denn diesen Weg nahm das damalige Magdeburger Bürgerheer, um sich im September 1550 bei Hillersleben mit Jörg von Mecklenburg zu schlagen. Hier finden Sie die erhaltenen beziehungsweise sanierten Wohngebäude, Guts- und Bauernhöfe, die heute vielfach Einrichtungen der Gemeinde beherbergen. Aber auch abseits der Heerstraße gibt es einige sehenswerte Gebäude. Dazu gehören unter anderem die Alte Poststation, das Rathaus der Ortschaft Barleben mit der Heimatstube, die Gemeindeverwaltung sowie der Komplex der Mittellandhalle im Breiteweg 147 – das Sport- und Kulturzentrum der Gemeinde Barleben.

Verweilen Sie doch ein wenig und besuchen Sie uns gern wieder.

Ernst-Thälmann-Straße 21

Dieses Haus wurde im Jahre 1802 erbaut und war ein Nebengebäude der Villa Brandt. Um 1930 baute man es zu Wohnräumen für Landarbeiter um.

Im Zuge der Bodenreform im Jahre 1947 wurde das Grundstück in zwei Neubauernstellen aufgeteilt und der Stall zum Wohnhaus ausgebaut.

Seit der Sanierung im Jahre 2002 wird es als Wohngebäude genutzt. Es ist ein sehr anschauliches Beispiel der historischen Bebauung des Dorfes Barleben im 18. und 19. Jahrhundert.

Ernst-Thälmann-Straße 22 – „Villa Brandt“

Der Großbauer Fritz Brandt erbaute die herrschaftliche Villa im Jahre 1906. Zum Haus gehörten weitere Gebäude und eine ausgedehnte Parkanlage. Nach 1945 erlebte die Villa eine wechselhafte Geschichte. Amerikaner, Engländer und Russen besetzten sie und die Familie Brandt musste Barleben ohne Hab und Gut verlassen Ab 1948 wurde das Gebäude als Gewerkschaftsschule und später vom Ministerium des Innern genutzt. Von 1962 bis 1991 arbeitete darin der HO-Kreisbetrieb. 1998 wurde das Gebäude durch die Gemeinde Barleben ersteigert. Nach der umfangreichen Sanierung 2001 bezog die Verwaltung der heutigen Einheitsgemeinde Barleben die „Villa Brandt“.

Ernst-Thälmann-Straße 1 und 2

Straßenbildprägender, zweistöckiger Fachwerkbau, in der typischen Form für die Bauernhäuser der Börde Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts. An der großen Tordurchfahrt befinden sich zwei verzierte Inschrifttafeln, die auf die damaligen Besitzer hinweisen.

Ernst-Thälmann-Straße 3
Bibliothek und Archiv

Aus einer alten Scheunenanlage entstand das Gebäude in den 1940er Jahren und wurde im Folgezeitraum als Wohnhaus genutzt. Seit dem Abschluss der Renovierung im Jahre 2003 steht es den Einwohnern der Gemeinde Barleben als Bibliothek und Archiv zur Verfügung.

Schmiedeplatz

In Barleben hat die Schmiedekunst eine lange Tradition. Bereits zu Zeiten der alten Heerstraße waren Schiffer, Handels- und Kaufleute, Handwerker, Bauern sowie der Adel ansässig und es gab sehr viel Arbeit für Schmiede, besonders Hufschmiede. Die von Schmiedemeister Mahlfeld seit 1812 betriebene Schmiede, die an der Stelle des heutigen Platzes stand, ist die älteste nachgewiesene Schmiede in Barleben. In Erinnerung an diese Barleber Schmiede schuf der Bildhauer Werner Bruning im Jahr 2005 eine Bronzeplastik. Mit ihrer Enthüllung wurde der bisher namenlose Platz als „Schmiedeplatz“ benannt.

Friedensplatz – Amtsvorwerk

In Barleben befand sich seit dem 12. Jahrhundert ein Vorwerk. Dieses wehrhafte, befestigte Gut mit umfangreichen Ländereien diente als Vorposten des erzbischöflichen Stifts Magdeburg zur Sicherung der Furt am „Hohen Fährberg“ gegen die Slawen. Als Amtsvorwerk war es ein Lehnsgut mit einer Schäferei und Hüterrechten auf dem Anger. Eine Hängeloge von 1737, die sich in der Barleber Kirche St. Peter und Paul befindet, erinnert noch heute daran. 1779 wurden die Ländereien an 52 Mitglieder der Gemeinde verpachtet.

Schulstraße 12
Internationale Grundschule „Pierre Trudeau“

Diese Vierseithofanlage mit einem stattlichen Wohnhaus und Nebengebäuden wurde im 19. Jahrhundert erbaut und als landwirtschaftliches Anwesen genutzt. Im Jahr 2006 wurde das Wohnhaus saniert, aus- und umgebaut. Es ist seitdem Teil des Schulkomplexes der in Barleben ansässigen internationalen Grundschule „Pierre Trudeau“. Die neugestalteten Nebengebäude wurden so angeordnet, dass der Charakter einer Vierseithofanlage erhalten blieb.

Alte Kirchstraße 5 – Altes Wohnhaus

Im Einzugsbereich der Kirche wurde dieser stattliche zweistöckige Fachwerkbau im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert errichtet. Das nahezu unveränderte Wohnhaus gehörte einem Bauern mittlerer Rufgröße und wird derzeit saniert.

Alte Kirchstraße 8 – Pfarrhaus

Der eingeschossige Putzbau mit mächtigem Mansardendach wurde im späten 18. Jahrhundert errichtet. Das Gebäude bildet zusammen mit der Kirche ein das Straßenbild prägendes Ensemble. Im Jahr 2005 wurde es denkmalgerecht saniert.

Alte Kirchstraße – Evangelische Kirche St. Peter und Paul mit Orgel

St. Peter und Paul ist ein Inbild für eine spätmittelalterliche, barock überformte, geputzte Saalkirche. Der gotische Kernbau wurde als zweite Barleber Kirche um 1350 errichtet. 1681 begann man mit dem Bau des Pfarrhauses und der Renovierung der Kirche, die 1699 eingeweiht wurde. 1876 erhielt die Kirche eine Orgel des bekannten Orgelbauers Reubke, die 1931 ein elektrisches Gebläse erhielt. Bei der im Jahr 1936 durchgeführten Generalüberholung leistete der Orgelbauer Rühlmann wertvolle Dienste. Durch das Mittellandfestival erlebte die Reubke-Rühlmann-Orgel 1999 die feierliche Wiedereinweihung.

Nordstraße 4 – Bauernhaus

Dieses Bauernhaus wurde im Jahr 1802 erbaut. Es handelt sich um einen zweistöckigen, verputzten Fachwerkbau. In Draufsicht zeigt es eine große Tordurchfahrt, im Erdgeschoss massiv ausgeführt. Das Gebäude ist in seiner ursprünglichen Form unverändert erhalten geblieben. Das Haus ist ein stattlicher Bau mit optischer Anziehungskraft aus der klassizistischen Zeit und liegt in Sichtweite zur Kirche.

Angerstraße – Heimische alte Haustierrassen

Auf einer Streuobstwiese hinter der Barleber Kirche wurde das Projekt „Heimische alte Haustierrassen“ verwirklicht. Alte Haustierrassen werden gehalten, Volieren für Rassegeflügel errichtet, ein Streichelgehege sowie ein Teich angelegt. Der Nachbau eines Taubenturms nach historischem Vorbild ist geplant. Dieses ökologische Projekt steht auch den vier Schulen der Gemeinde zur Nutzung zur Verfügung.

Alte Kirchstraße 21 – Arnstedtscher Hof

In der alten Kirchstraße befindet sich der Arnstedtscher Hof, auch Köhnscher Hof genannt. Erster Besitzer war um 1400 eine Frau von Ranis, die einen Teil ihres Besitzes der Kirchengemeinde für den Bau der „neuen“ Kirche und das Anlegen eines Kirchhofes zur Verfügung gestellt hat.
Historisch besonders wertvoll ist die 1605 errichtete Toranlage mit Hofmauer und Mannespforte. Das Herrenhaus wurde 1701 in der großzügigen Parkanlage neu errichtet.
Dieses Gebäude, inklusive Parkanlage, wird künftig als Kindertagesstätte genutzt und stellt damit ein weiteres Beispiel der Erhaltung historischer Hofanlagen in der Gemeinde Barleben.

Bahnhofstraße 19 – Villa

Ungefähr im Jahr 1910 wurde diese Villa in der Bahnhofstraße erbaut. Das Dachgeschoss ist als doppelstöckige Fachwerkkonstruktion ausgebaut. Prägend für die Fassade sind der flache Polygonalerker und die Sprossenfenster. Das Gebäude ist ein typisches und bemerkenswertes Beispiel der Reformarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts im Villenbau.

Breiteweg – Neuer Friedhof / Feierhalle

Die Friedhofsanlage des sogenannten „Neuen Friedhofs“ wurde im Jahr 1855 angelegt. Im Zentrum der quadratischen Anlage befindet sich eine eingeschlossene Feierhalle aus Bruchstein mit Mittelrisalit, Satteldach, Rundbogenfenstern und segmentförmigen Portalen. Gartengestalterisch bemerkenswert ist die darauf zulaufende Lindenallee.

Breiteweg – Denkmal für gefallene Soldaten

Am alten Friedhof befindet sich das um 1920 errichtete Denkmal. Die Denkmalanlage wird im Wesentlichen durch romanisierende Architekturformen geprägt.
Ein besonderer Blickfang ist der in der Mitte der Anlage emporragende, massive Obelisk. Eine angebrachte Namenstafel erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, und eine Gedenktafel soll an die Opfer von Krieg und Gewalt in den Jahren 1933 bis 1945 erinnern.

Breiteweg – Alter Friedhof / Grabstätte

Auf dem „Alten Friedhof“ befindet sich ein Gräberfeld mit zahlreichen, künstlerisch zum Teil sehr aufwändigen Grabstätten aus dem mittleren 19. bis frühen 20. Jahrhundert. Bemerkenswert sind die im Jahr 1894 erbaute und später sanierte Trauerhalle sowie das im Jahr 1853 errichtete Mausoleum der Familie Kleinau. Hier befindet sich auch die Grab- und Gedenkstätte für zehn französische Gefangene, die in den letzten Kriegstagen Opfer des Faschismus wurden.

Keramikrelief in der Grundschule

J. M. Schneider aus Magdeburg gestaltete im Jahr 1966 ein Wandrelief, das die Entwicklung des Hebezeugs darstellt und auf die Tradition des Kranbaus in Barleben hinweist. Die Veränderung der Eigentumsverhältnisse in den neunziger Jahren führte zur Stilllegung des Unternehmens, eines der größten Arbeitgeber der Gemeinde Barleben. Durch glückliche Umstände wurde die Wandkeramik gerettet. Die Gemeinde erwarb das bereits stark beschädigte Kunstwerk, ließ es bergen und restaurieren. Seit 2002 ist es in der Grundschule Barleben angebracht.

Breiteweg 150 – Wohnhaus

Dieser stattliche, zweigeschossige Putzbau wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. In der Fassadengestaltung verbinden sich Neurenaissance- und Jugendstilelemente. Im Jahr 2004 wurde das Wohnhaus denkmalgerecht saniert.

Breiteweg 149 – Alte Poststation

Das inschriftlich auf das Jahr 1680 datierte und vollständig aus Eichenholz errichtete, traufständige zweigeschossige Fachwerkhaus wurde als „Gasthof vor dem Tore“ erbaut. Es ist das älteste erhaltene Haus in Barleben und einer der schönsten börde-typischen Zierfachwerkbauten der Region. Die 1682 eingerichtete schnelle Post von Magdeburg über Stendal nach Havelberg hatte hier den einzigen Haltepunkt für die meist vierspännigen Postkutschen. Bis 1842 wurde das Gebäude noch als Posthalterei genutzt. Von 1843 bis 1970 diente es als Wohnhaus und wurde nach längerem Leerstand im Jahr 2000 denkmalgerecht saniert.

Breiteweg 147 – Gutshof / Mittellandhalle

Die Familie Koch erwarb das Grundstück im Jahr 1757. Von der damaligen Bebauung sind keine Gebäude erhalten. 1775 begann die Neubebauung mit einem Vierseithof an der straßenbildprägenden Ecklage. 1952 wurde in einem Teil der ehemaligen Stallanlage eine staatliche Apotheke errichtet, die 1991 privatisiert wurde. Die Gemeinde erwarb die ungenutzte Hofanlage und ergänzte die straßen- und hofseitige Fassade aus Bruchsteinmauerwerk um die Mittellandhalle, die 2004 eingeweiht wurde. Im denkmalgeschützten Hof entstand ein Sport- und Kulturzentrum mit modernster Ausstattung. Die Gaststätte „Die 147“ und der Gemeindesaal wurden in die Anlage integriert. Das schlossartige Wohnhaus wurde saniert und beherbergt das Internationale Gymnasium „Pierre Trudeau“.

Burgenser Straße 4 – Altes Elektrizitätswerk

Im Jahr 1902 beschlossen die Gemeindevertreter von Barleben, ein eigenes kommunales Elektrizitätswerk zu errichten. Im selben Jahr fand das Richtfest statt, und bereits am 26. Januar 1905 wurde zum ersten Mal elektrisches Licht im Ort eingeschaltet – eine Sensation zu jener Zeit. Als Barleben 1926 an ein zentrales Versorgungsnetz angeschlossen wurde, nutzte die Gemeindeverwaltung das Gebäude. Gleichzeitig entstanden mehrere Wohnungen, die teilweise auch heute noch als Wohnraum dienen.

Breiteweg 50 – Gesindehaus /Heimatstube

Als Nebengebäude eines landwirtschaftlichen Anwesens wurde dieses Fachwerkhaus im Jahr 1801 errichtet. Im Zuge der Bodenreform nach 1945 wurde das Grundstück enteignet. Eine Chemikalien- und Großhandelsfirma nutzte das Gebäude als Lager. Von 1956 bis 1996 diente das Haus als Wohngebäude. Im Jahr 1999 erfolgte eine umfassende, denkmalgerechte Sanierung. Seit 2003 steht das gesamte Gebäude dem Barleber Heimatverein e. V. zur Verfügung.

Breiteweg 50 – Rathaus / Kaiserurkunde

Im Ratssaal der Ortschaft befindet sich das Faksimile der sogenannten Kaiserurkunde von 1062. In dieser Urkunde von Kaiser Heinrich IV. wurde erstmals das Dorf Partunlep, das heutige Barleben, erwähnt. Damit trat Barleben am 13. März 1062, historisch und schriftlich belegt, in die Geschichte ein.